Hochwertiges Olivenöl ist ein ausgesprochen wohlschmeckendes Speiseöl mit vielen wertvollen Inhaltsstoffen. Leider trifft selbiges nicht auf das Gros der in deutschen Supermärkten verkauften, angeblich extra nativen, Olivenöle zu. Fachmagazine wie die Stiftung Warentest und Merum Olivenöl bestätigen regelmäßig die - wohlwollend ausgedrückt - zweifelhafte Qualität vieler Supermarktöle. Doch wenn wundert das bei Durchschnittspreisen von 4-5 Euro pro Liter? Denn zu diesem Preis ist es schlicht nicht möglich, ein tatsächlich hochwertiges Olivenöl anzubauen.

 

Der Olivenanbau ist eine mühsame Angelegenheit. Insbesondere, wenn man seine Oliven so nachhaltig wie möglich kultivieren möchte und auf Praktiken wie super-intensive Reihenpflanzungen und vollautomatische Erntemaschinen in Kombination mit konventionellen Düngemitteln und Pestiziden verzichten möchte.

 

Olivenhain nach der Ernte

Biologischer Olivenhain in Griechenland nach der Ernte

 

Ein Olivenhain braucht viel Pflege. Ca. 60% der Arbeitskosten entfallen dabei auf die Ernte und den Baumschnitt im Frühjahr. Aber auch die sonstigen Ausgaben summieren sich. So muss der Hain regelmäßig von Unkraut befreit werden, die Bäume brauchen biologischen Dünger und auch der Ölmüller will für seine Arbeit bezahlt werden. Schließlich müssen noch Steuern bezahlt und chemische Laboranalysen beauftragt werden.

 

So ist es kein Wunder, dass italienische Statistiker herausgefunden haben, dass die tatsächlichen Erzeugerkosten in Italien im Schnitt bei 7,09 EUR pro Liter liegen (Quelle: Zeit), vor Abfüllung, Etikettierung und Versand!

 

Wie kann es dann sein, dass die meisten Öle für etwa die Hälfte im Handel landen? Lässt man kriminelle Methoden wie Desodorisierung, Thermobehandlung und Mischung mit billigeren Ölen einmal außen vor, landet man sehr schnell bei der EU-Olivenölverordnung. Diese teilt Olivenöl in verschiedene Güteklassen ein und regelt beispielsweise, dass die oberste Güteklasse, extra natives Olivenöl, einen Anteil an freien Fettsäuren von 0,8% nicht überschreiten darf. Was die wenigsten wissen: 0,8% freie Fettsäuren sind verdammt viel und ein solches Öl hat mit einem tatsächlich hochwertigen Olivenöl nicht mehr viel zu tun. In der Tat kann man seine Oliven tagelang auf den Feldern vor sich hin gären lassen bevor man sie in die Mühle bringt und würde wahrscheinlich immer noch unter der Grenze von 0,8% liegen.

 

In der Praxis wird häufig ein kleiner Teil gutes Olivenöl mit einem größeren Teil billig dazugekauftem und eigentlich nicht für den menschlichen Verzehr geeigneten Olivenöl gemischt, bis der Anteil der freien Fettsäuren bei 0,79% liegt. Dann darf es ganz legal als extra natives Olivenöl verkauft werden, hat aber mit einem wahrlich hochwertigen Olivenöl wenig bis gar nichts mehr zu tun. Als Verbraucher können Sie dies nur an dem kleingedruckten Hinweis „Mischung aus Ölen der Europäischen Gemeinschaft“ erkennen.

 

Wir sehen also: Der europäische Olivenölmarkt ist hoch reguliert, leider weder im Sinne des Konsumenten, noch im Sinne des kleinen, ehrlichen Olivenbauerns. Stattdessen profitieren vor allem die großen Lebensmittelkonzerne und der Großhandel. Schön wäre es, wenn sich dieses ändern würde. Zum Beispiel, in dem man die Grenzwerte verschärft und auch tatsächlich kontrolliert oder indem man eine weitere Güteklasse oberhalb von extra nativem Olivenöl einführt.

 

Was ist ein fairer Preis für ein hochwertiges Olivenöl? Das liegt natürlich im Auge des Betrachters (und an den eigenen finanziellen Möglichkeiten). Klar sollte jedoch sein, das ein gutes Olivenöl nicht für einen Spottpreis produziert werden kann. Leider gibt es auch im höherpreisigen Segment schwarze Schafe. Aber wenn man bereit ist, mindesten 20 Euro pro Liter Olivenöl zu zahlen, dann ist die Chance, ein wahrhaft hochwertiges Olivenöl zu erstehen, ungleich höher.